Klinischer Fall: Futtermittelvergiftung durch Alkaloide bei Mastschweinen

Antonio Palomo Yagüe
22-Dez-2014 (vor 10 Jahre 3 Monate 28 Tage)

Am 20. August 2013 wurden wir darüber informiert, dass in mehreren Beständen eines großen spanischen Schweineproduzenten plötzlich erhöhte Verluste auftraten. Zwischen dem 16. und 20. August wurden die sechs betroffenen Standorte mit einer neuen Futtercharge beliefert. Das neue Futter wurde in Futtersilos gefüllt, die zum Teil noch Restmengen an altem Futter enthielten. Deshalb könnte die erste Aufnahme der neuen Futtercharge zeitlich verzögert zwischen einigen Stunden und 3-4 Tagen gelegen haben.

Tote Schweine im Bestand

Klinische Symptome und Sofortmaßnahmen

Im Rahmen der Bestandsuntersuchungen wurden ausführliche Vorberichte aufgenommen und Untersuchungen an kranken bzw. verendeten Schweinen durchgeführt. Folgende Symptome konnten dabei beobachtet werden:

Wässriger Kot mit Blutbeimengungen

Wässriger Kot mit Blutbeimengungen.

Blutstauung und gerötete Darmwände im Dünn- und Dickdarm

Blutstauung und gerötete Darmwände im Dünn- und Dickdarm.

Veränderter Kot mit vermehrt flüssigem Inhalt

Wässriger Kot.

Tote Schweine im Bestand
Verendete Schweine mit aufgeblähtem Abdomen.

Aufgrund des klinischen Bildes (zum Teil passend zum Bild einer Futtermittelvergiftung) und der Tatsache, dass die unterschiedlichen Bestände außer der zeitgleichen Belieferung mit neuem Futter keine Gemeinsamkeiten aufwiesen und in letzter Zeit keine antibiotischen Behandlungen und auch keine Impfungen durchgeführt wurden, veranlassten wir den sofortigen Lieferstopp der neuen Futtercharge und leiteten folgende Sofortmaßnahmen auf den betroffenen sechs Betrieben ein:

Die klinischen Symptome, welche je nach Bestand mehr oder weniger schwer ausfielen, begannen nach etwa 36-48 Stunden abzuklingen. Ab dem 24. August traten keine neuen Fälle mehr auf.

Weiterführende Untersuchungen

Aufgrund unseres Verdachtes, dass die neue Futtercharge die Ursache des Problems war, leiteten wir weiterführende Untersuchungen ein:

Mischung aus australischen (klein und gepunktet) und spanischen (groß, flach und blass) Lupinensorten

Mischung aus australischen (klein und gepunktet) und spanischen (groß, flach und blass) Lupinensorten.

Auswertung des klinischen Bildes

Mortalität: Im Bestand Nr. 5 waren die leichtesten Schweine eingestallt. Am Liefertag der neuen Futtercharge (16. August) waren die Futtersilos fast komplett leer, sodass die Schweine noch am selben Tag mit der Futteraufnahme des belasteten Futters begannen. Die ersten Verluste traten am 19. August auf und verschlimmerten sich am 20. August. Dieser Bestand war am stärksten betroffen und diente somit als Alarmauslöser für die anderen ebenfalls mit dem Futter belieferten Bestände. Dadurch konnte das Futter schneller entfernt und die Verlustrate gesenkt werden (<2% im Vergleich zu >20% in Bestand Nr. 5).

Tabelle 1. Anzahl der Verluste pro Bestand.

Bestand Anzahl der Verluste Lebendgewicht der Schweine (kg)
1 20 80
2 16 100
3 27 90
4 12 45
5 223 25
6 11 95
309

Anzahl der Verluste pro Mastbestand
Grafik 1. Anzahl der Verluste pro Mastbestand.

Folgende Schlussfolgerungen lassen sich aus dem vorliegenden Fall ziehen:

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